Enter The Void (Rezension)

Seit der Bekanntmachung von Enter The Void und den ersten Reaktionen nach der Vorführung bei Cannes bin ich sehr gespannt gewesen auf Gaspar Noe’s neusten (und erst dritten) Film, haben mich doch schon Irreversible und Menschenfeind tief in ihren Bann gezogen.

Die Story:

Oscar lebt mit seiner Schwester Linda in Tokio. Er hält sich mit kleinen Drogendeals über Wasser, sie arbeitet als Stripperin in einem Nachtklub. Bei einem Zusammenprall mit der Polizei wird Oscar von einer Kugel getroffen und schwer verletzt. Im Todeskampf erinnert er sich an ein Versprechen an Linda, sie niemals allein zu lassen, und kämpft sich in eine Halbwelt zurück, die sich in zunehmend chaotischeren und albtraumartigen Visionen manifestiert. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fallen ineinander.

Quelle: http://www.kino.de/kinofilm/enter-the-void/110418.html

Die Geschichte des Films ist in ihrer Gesamtheit relativ simpel und schnell erzählt, da diese wahrscheinlich nur als Grundgerüst dienen sollte. Enter The Void ist von seiner Art her eher ein Experimentalfilm, was man auch an der Laufzeit von 2h 40min merkt.
Sowieso erklärt sich der Film und dessen Ablauf durch die Geschichte bzw. die Dialoge der Protagonisten selber, was ich im Übrigen für einen ziemlich guten Kniff halte, den Noe da genutzt hat.

Die Geschichte verpackte Noe in einer sehr extremen Art der Darstellung, er zeigt rohe Gewalt, ungeschönten Sex und Drogentrips bei denen man meinen könnte man wäre selber auf einem Trip. Hinzu kommt, dass das ganze Geschehen in einem sehr verklärten und runtergekommenen Teil von Tokyo gedreht wurde, was das Ganze nochmal verstärkt.
Des Weiteren setzt er Kameraperspektiven ein, die so noch nie im Kino eingesetzt wurden sind bzw. nicht in dieser Art. Man erlebt zum Beispiel Oscars Leben (und einen seiner Drogentrips) aus der Ich-Perspektive, Szenenwechsel werden generell von oben mit einer verwackelten Kamera vollzogen und so weiter. Im späteren Verlauf des Filmes wird der Großteil der Geschichte von oben herab mit einer Art Wackelkamera gefilmt, was wirklich anstrengend ist.
Noe setzt szenenabhängig auch sehr extreme Farbspiele und Übergänge ein, die ihres gleichen suchen.
Auch wenn es erst Noe’s dritter Film ist, so setzt er sich damit definitiv ab.

Da der Film hier in München nur in ausgewählten Kinos (sind glaube ich nur 2 Stück) gezeigt wird bzw. wurde, blieb mir nichts anderes übrig als mir den Film in der deutschen Fassung anzuschauen.
Was mich zu meinem größten Kritikpunkt kommen lässt und zwar der deutschen Synchronisation. Jeder Charakter klingt so als wäre er die ganze Zeit auf Droge … egal in welcher Situation dieser sich gerade befindet. Zumal viele Stimmen auch vom Klang her unpassend zum eigentlichen Charakter waren. Das hat für mich das Gesamterlebnis ein wenig getrübt.

Nichtsdestotrotz ist Enter The Void eine Grenzerfahrung auf ganzer Linie, da man – sofern man sich auf diese Art von Erlebnis einlässt – auf einen extremen cineastischen Gefühls- und Drogentrip mitgenommen wird, der schwer zu ertragen und zu verdauen ist – was vor allem durch die enorme und überwältigend extreme visuelle Darstellung zu tragen kommt.
„Mindfuck für Erwachsene“ trifft es wohl ganz gut.

Wer einen ersten Eindruck haben möchte, kann sich bei YouTube entsprechende Trailer anschauen:
http://www.youtube.com/watch?v=hwTmc8L8TaA (Announcement Trailer)
http://www.youtube.com/watch?v=NxOYnnbTp8Y (Love-Teaser)
http://www.youtube.com/watch?v=UssTGcOdWqs (Filmauszug: Credits)

9/10

PS: Witziges Detail am Rande, Noe hat einen kleinen Cameo-Auftritt als pillenschmeißender Junkie in einer Disco.

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