Harry Potter and the Deathly Hallows Part 1 (Rezension)

Nach knapp 10 Jahren ist es nun bald soweit, das Ende der HP-Reihe steht bevor. Und dies soll dann doch bitte mit der gleichen Kraft und den gleichen Emotionen von Statten gehen wie wir es vom letzten Buch gewohnt sind.

Da die Geschichte hinlänglich bekannt sein dürfte, werde ich über diese auch nicht soviel Worte verlieren.
Der erste Teil umfasst ca. 2/3 des Buches ausgehend von der UK-Veröffentlichung mit rund 600 Seiten und befasst sich größtenteils mit der Suche nach den Horcruxen, den persönlichen Belastungen des Gespanns durch die Suche und die Entdeckung der „Deathly Hallows“.

Nach dem mittelmäßigen/guten fünften und dem wirklich schlechten sechsten Teil, hat David Yates es anscheinend geschafft seinen Stil in der Potter-Reihe zu finden. Das er schon immer für die eher dunkle Seite der Bücher einstand, war schon in den zwei Film vorher zu sehen. Allerdings gelingt es im – zumindest im ersten Teil – seinen Stil zu verfeinern und sich wirklich auf das zu konzentrieren was wichtig ist.
Hier kommt ihm natürlich zu Gute, dass der Stoff des Buches auf zwei Filme aufgeteilt wurde. Auch wenn man argumentieren könnte, dass diese Vorgehensweise (1 Buch, 2 Filme) nur den achso armen Studios und Verleihen zu Gute kommt, so ist es doch eher die Treue zur Vorlage die für die Fans mehr Gewicht haben wird. Und ich kann diesen Schritt nur gutheißen, da ein Film dem Stoff nicht gerecht werden würde. Sieht man ja auch sehr gut am sechsten Teil. Ob das nun ein Trend wird, angesichts der Tatsache, dass „The Hobbit“ von Tolkien auch auf zwei Filme aufgeteilt wird, bleib abzuwarten.

Natürlich gibt es wieder Abstriche und Kompromisse die man machen/eingehen muss, wurden doch wie schon erwähnt gut 2/3 des Buches in einen Teil gesteckt um sich das große Finale für den letzten Teil aufzusparen. Allerdings ist man dieses mal etwas umsichtiger mit Änderungen, Straffungen und dergleichen umgegangen als man das nach dem sechsten Teil vielleicht erwartet hätte.
In der Regel ist der Fluss der Erzählung sehr gut und gerät nur durch kleinere Ungeschicke etwas ins Wanken, welche im Nachhinein aber unvermeidbar waren. Ein Beispiel ist Dobby’s Erscheinen, dies wirkt doch sehr ungelenk, ist aber essentiell für den Fortbestand der Geschichte. Aber wie gesagt, das sind kleinere Ungeschicke, die nicht weiter ins Gewicht fallen.
Allerdings sollte man nicht erwarten in die Geschichte eingeführt zu werden, denn das ist nämlich keineswegs der Fall. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass man die Geschichte schon kennt und entsprechend offen werden Charaktere, Beziehungen etc. gelassen.

An dieser Stelle möchte ich die im Film vorherrschende Grundstimmung ansprechen, welche ja auch im Buch schon recht düster ist. Diese wird hier deutlich verschärft und das obwohl man nicht wirklich viel zu sehen bekommt bzw. nicht sehr viel passiert. Die Gewalt hält sich in Grenzen, Tötungen (wenn überhaupt) werden nur angedeutet und so weiter. Viel mehr ist es die Hoffnungslosigkeit von Harry und seinen Verbündeten, deren innere Zerissenheit und deren Verluste gegenüber der immer größer werdenden Macht Voldemorts. Man muss aber dazu sagen, dass der Film hier und da auch seine lustigen Momente hat und diese für eine sehr willkommene Abwechslung sorgen.
Hier haben es Yates und Co wirklich geschafft eine Atmosphäre aufzubauen die dem Buch mehr als gerecht wird und ich bin der Meinung, dass die Freigabe FSK12 nur deswegen gewählt wurde, damit der Film entsprechend gut besucht wird. Hätte ich Kinder würde ich diese nicht mit in den Film nehmen. Ich bin auch sehr gespannt wie sich das im zweiten Teil entwickelt, da es in diesem ja dann zu dem großen Kampf kommen wird.

Yates‘ Arbeit als Regisseur hat sich (wie hier und da schon erwähnt) deutlich verbessert und das merkt man jede Minute. Das Tempo des Filmes ist trotz seiner düsteren Atmosphäre, seiner ruhigen und teilweise lustigen Szenen doch recht straff. Auch setzt er bestimmte Szenen so um, dass es technisch passt, Verfolgungsjagden und ähnliches werden in schnellen Schnitten erzählt und mit „Wackelkamera“ gedreht, wo hingegen ruhigere Szenen ausgedehnt sind, breite Perspektiven haben und ohne „Wackelkamera“ daherkommen. Witzig ist, dass man in einigen Szenen erkennt, dass da eine 3D-Konvertierung bevorstand. Ob das nun gewollt oder ungewollt war, sei mal dahingestellt. Genauso gut kann es sein, dass das nur mir so aufgefallen ist.
Ansonsten gibt es technisch nichts weiter zu bemängeln, ist er doch grundsolide. Denn sind wir ehrlich, von einem Film dieser Art erwarte ich keine Bildsprache wie man sie von Nolan, Scorsese oder anderen Größen gewohnt ist.

Wie auch schon in den Teilen zuvor war John Williams der Mann für die Musik. Neu ist diesmal Alexandre Desplat, der schon Filme wie Syriana, The Ghost Writer oder Fantastic Mr. Fox vertont hat. Desplat ist nicht einer der Komponisten die man oft zu hören bekommt, er hat aber schon an die 100 Filme bereichert.
Die Score die von Williams und Desplat für HP7.1 eingespielt wurde ist jetzt nicht überragend, unterstreicht den Film und dessen düstere Stimmung gut. Sie ist für sich genommen ein wenig teilnahmslos und blass. Schade eigentlich, da man mit der richtigen Score sicherlich mehr hätte rausholen können.

Was will man noch groß über das Ensemble schreiben, dass den Film trägt außer das alle wie gewohnt gute Arbeit leisten?
Da sich der Film auf die drei Freunde konzentriert, liegt der Schwerpunkt natürlich auch bei Radcliffe, Grint und Watson. Und das ist ihre bisher beste Leistung.
Die anderen Schauspieler geben sich munter die Klinke, da viele nur kurze Szenen haben, aber dennoch nicht die Blöße, da selbst diese kurzen Szenen souverän gehandhabt wurden.

HP7.1 ist für mich trotz einer Kritikpunkte einer der besseren, wenn nicht sogar der beste Teil der Reihe, da er erwachsener und ausgereifter wirkt als die Teile davor. Er ist auch keine inhaltsarmer Lückenfüller wie Spiegel Online schreibt, sondern eine sehr gute Überleitung zum großen Finale und ich bin gespannt ob HP7.2 dieses Niveau halten kann.

8/10

PS:
In der Telepolis gibt es einen sehr guten Artikel über Harry Potter and the Deathly Hallows Part 1:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33682/1.html

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