Easy A (Rezension)

Die Entscheidung mir Easy A anzuschauen viel eigentlich relativ simpel aus. Ich fand die Trailer durchaus ansprechend und seit Zombieland ist Emma Stone ein persönlicher Favorit.

In Easy A (im Deutschen „Einfach zu haben“) geht es um die junge und unauffällige Olive Penderghast, die von ihrer Freundin gedrängt, zu einer kleinen Lüge greift. Diese kleine Lüge allerdings verhilft ihr zu einem eher zweifelhaftem Ruf. Als sie einem Mitschüler dann auch noch ihre Hilfe anbietet, werden die Gerüchte jedoch wilder. Daraufhin beschließt sie sich dem Ganzen auf ihre eigene Art hinzugeben und das nicht ganz ohne Eigennutzen. Allerdings spitzt sich die Situation immer weiter zu und als dann noch die persönlichen Gefühle Olive’s mit ins Spiel kommen nimmt das Drama seinen Lauf.

Von der Geschichte darf man sich nicht allzu viel versprechen, ist sie in ihren Grundzügen doch weder neu noch sonderlich innovativ. Sowas ähnliches hat man schon in zig anderen Teenie-Komödien gesehen. Damit gewinnt man zwar keinen Oscar, aber es funktioniert einfach. Zu der grundlegenden Geschichte mischte man dann noch Anleihen aus The Scarlet Letter (ein großer Bezugspunkt des Films) hinzu, sowie andere Themen wie Enthaltsamkeit, Sexualität, Religion etc. Und das ist dann auch der Punkt an dem der Film anfängt zu schwächeln. Hier wurde eine wirklich gute Basis geschaffen, die aber bei weitem nicht ausgereizt wurde. Vielmehr hat man das Gefühl, als ob sich die Schreiber vor wirklich bitterböser Kritik/Satire gescheut haben. Das was man im Film zu hören und zu sehen bekommt, ist meiner mMn nur ein müder Aufguss dessen, was man hätte machen können.

Dass was man an Kritik/Satire gespart, hat man dann bei der Darstellung von Olive’s liberalen Eltern praktisch drauf geschüttet, sind sie doch der krasse Gegensatz zu dem was in der Highschool von statten geht. Sie sind überaus offen was Sexualität (Enthaltsamkeit war für beide ein Fremdwort) anbelangt, haben einen farbigen Adoptivsohn (mit dem sie natürlich äußert offen in Bezug auf seine Adoption umgehen) und versprühen geradezu ein eher antiamerikanisches Lebensgefühl. Hier hätte man durchaus an „Liberalität“ sparen können, wirkt das Ganze doch teilweise zu aufgesetzt, schaut man sich beide Seiten der Geschichte des Films an.

Warum man sich bei der Kritik/Satire so zurück gehalten hat und warum man dafür so arg auf die Eltern gesetzt hat, darüber kann man nur mutmaßen. Die Balance zwischen beiden Teilen hat einfach nicht gestimmt und wirkt dadurch eher negativ auf den Film.

Sehr schön fand ich, dass Gluck mit der gewohnten Erzählstruktur solcher Filme ein klein wenig gebrochen hat und ihn mehr oder weniger als Webcast präsentiert. Erzählt wird sie von Olive, während ihres Webcasts, in mehreren Kapiteln. Der „eigentliche Film“ sind dann die Rückblenden in denen Olive ihre Seite der Geschichte erzählt und zwar – wie sie selbst sagt – die die wahr ist.

Des Weiteren ist die Geschichte auch gespickt mit Referenzen und Reminszensen an die 80er-Jahre Teenie-Filme wie z.B. The Breakfast Club, Ferris Bueller’s Day Off oder Say Anything. Hier verneigt sich Gluck ganz deutlich vor Hughes und anderen Regisseuren dieses Genres. Deutlich wird das auch mit folgendem Monolog den Olive während des Webcasts hält:

Whatever happened to chivalry? Does it only exist in 80’s movies? I want John Cusack holding a boombox outside my window. I wanna ride off on a lawnmower with Patrick Dempsey. I want Jake from Sixteen Candles waiting outside the church for me. I want Judd Nelson thrusting his fist into the air because he knows he got me. Just once I want my life to be like an 80’s movie, preferably one with a really awesome musical number for no apparent reason. But no, no, John Hughes did not direct my life.

Das Ende des Films rundet das Ganze dann noch gekonnt ab.

Handwerklich sollte man bei diesem Genre nicht viel erwarten, wenn man sich andere Film anschaut. Allerdings macht Gluck vieles richtig und orientiert sich teilweise auch an den alten Filmen aus den 80er Jahren. Auch wenn Easy A erst sein zweiter Film ist, so wirkt seine Arbeit stets routiniert und durchdacht, sprich keine unruhigen Bilder, das Wichtigste im Blick und saubere Übergänge.
Bei der Auswahl der Musik muss ich sagen war ich ein wenig enttäuscht, wurde hier doch vermehrt auf poppige und elektronische Lieder gesetzt. Allerdings muss man dazu sagen, passt sich das sehr gut ins Bild und trifft wahrscheinlich eher den Geschmack der jüngeren Generation.

Schauspielerisch konnte vor allem Emma Stone als Olive Penderghast überzeugen, bekommt der Film doch erst durch sie seinen Charme, wenn sie sich ganz den Gerüchten hingibt. Besonders entzückend ist ihre Darbietung von Natasha Bedingfield’s Lied Pocket Full Of Sunshine. Schön wäre es, wenn sie in Zukunft auch ernstere Rollen spielen würde, zuzutrauen wäre es ihr.
Dann wären da noch Stanley Tucci und Patricia Clarkson, die in den Rollen der Eltern aufblühen, so überzogen sie auch in der Geschichte dargestellt werden.
Der Rest der Cast ist jetzt nicht so herausragend, bietet aber ein durchweg glaubwürdiges Schauspiel. Jedoch hätte man auch die kleineren Charakteren etwas mehr Spielraum lassen können.

Easy A hätte ein wirklich guter und auch intelligenter Film werden können, der vermutlich auch aus dem Teenie-Komödien-Einerlei herausgebrochen wäre, wäre da nicht die Tatsache, dass sie mit der Geschichte viel Potenzial verschenkt haben. Somit sticht der Film zwar etwas heraus, aber wirklich absetzen kann er sich nicht, dazu fehlt es ihm einfach an Biss und Tollkühnheit.
Übrig bleibt eine überdurchschnittlich gute Teenie-Komödie die – wenn man auf dieses Genre steht oder sich auf den Film dennoch einlässt – sehr gut unterhält und sicherlich ihr mögliches Zielpublikum erreichen wird.

7/10

Dieser Beitrag wurde unter Kino, Rezension abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.