Last Night (Rezension)

Diesen Freitag bin ich – warum auch immer – mit der Befürchtung Burlesque sehen zu müssen in die Sneak gegangen und war dann doch erleichtert als auf der Leinwand Last Night zu lesen war. Auch wenn ich keine Ahnung hatte, was mich erwarten würde, da ich bis dato nichts von dem Film gelesen oder gehört hatte.

Jedenfalls, in Last Night geht es um das junge Ehepaar Joanna (Keira Knightley) und Michael Reed (Sam Worthington).
Die Beiden sind seit mehreren Jahren ein paar und die letzten 3 Jahre ihrer Beziehung glücklich verheiratet. Ihre Ehe und vor allem ihre Beziehung zu einander wird jäh auf die Probe gestellt, als sie während einer Geschäftsreise von Michael auf eine emotionale Probe gestellt werden. Michael kommt seiner Kollegin Laura (Eva Mendes) näher und Joanna trifft ihre Liebe aus Paris, Alex (Guillaume Canet), wieder.

Man könnte meinen, es ist ein Geschichte wie sie das Leben schreibt. Ist es auch, sowas passiert ohne Zweifel vielen Leuten. Allerdings wirkt sie durch ihre Zwänge vieles als unvorhersehbar zu gestalten und natürlich zu wirken arg konstruiert und ist im Endeffekt dann doch vorhersehbar. Ähnlich verhält es sich mit den Dialogen, deren Tiefe man nur erahnen kann. Denn zum Teil sind diese schon sehr oberflächlich, dies merkt man vorallem dann wenn Michael Reed und Laura miteinander über ihr Verhältnis reden. Zusammengefasst kann man dem Film durchaus eine tendentielle, künstlerische Hochnäsigkeit bescheinigen, welche dann auch in ein Ende mündet, bei dem man sich fragt oder fragen muss, was sich der Regisseur dabei gedacht hat. Es ist in seiner Art sicherlich konsequent, für die meisten Zuschauer wird es aber nicht sonderlich befriedigend sein. Für mich ist es aber nur ein weiterer Stolperstein der Geschichte, da damit nichts ausgedrückt wird.

Schauspielerisch konnte mich einzig Keira Knightley durchweg überzeugen, da sie die durchlebten Emotionen wirklich darstellen konnte ohne dass diese augesetzt oder gekünstelt wirkten. Aber nach Filmen wie Atonement oder Pride And Prejudice ist dies nicht verwunderlich. Neben Keira Knightley war es noch Guillaume Canet der durchaus das Potential hatte, seine Figur so darzustellen, dass man ihm seine Emotionen abkauft. Was ihm aber nicht durchweg gelungen ist, denn teilweise verharrt er in überzogener Mimik die die Szenen leicht lächerlich wirken lassen.
Vollkommen überflüssig waren aber Sam Worthington und Eva Mendes. Worthington deshalb, weil er mit diesem Film einmal mehr bewiesen hat, dass Emotionen einfach nicht in sein schauspielerisches Repertoire passen, obwohl er in Terminator: Salvation gerade deshalb überzeugen konnte. Bei Eva Mendes verhält es sich ähnlich, da sie 1. keine gute Schauspielerin ist (ja, ich lehne mich soweit aus dem Fenster) und 2. wieder einmal eine typische Klischeerolle zugesteckt bekommen hat. Die Szenen in denen beide vorkamen waren zäh, emotionslos, hölzern und haben einfach genervt.
Gerade bei so einem Film, in dem es um die zwischenmenschlichen Beziehungen geht und der Personenkreis der handelnden Figur auch noch relativ beschränkt ist, ist das Schauspiel das A und O. Leider hat es hier zu 50 Prozent nicht gepasst.

Auch wenn die Schauspielerei insgesamt eher durchwachsen ist, so lässt das handwerkliche Geschick den Film wenigstens optisch, inszenatorisch und musikalisch sehr gut dastehen. Tadjedin schafft es mit Totalen, Halb-Totalen und anderen stilistischen Mitteln zu jeder Zeit genau das einzufangen was im Fokus der einzelnen Szene steht. Zudem kommen wunderbare Bilder die zu jederzeit sehr klar, einfach (Reduzierung auf’s Wesentliche, nicht überladen) und farblich brilliant sind.
Die Musikuntermalung des Films nahm kein anderer als Clint Mansell vor, der schon Filme wie Moon, The Wrestler oder 11:14 bereichert hat. (Ich bin gespannt was er für Black Swan so in petto hat.) Ebenso wie die Aussagekraft der Bilder, schafft es auch Mansell mit seiner Musik den Szenen eine gewisse Nachhaltigkeit zu verleihen ohne dabei kitschig zu wirken.
An dieser Stelle möchte ich auch einmal erwähnen, dass mir das (deutsche) Filmplakat sehr gut gefällt, ist es doch sehr schlicht und optisch großartig. Zumal es den Film selbst sehr gut einfängt.

Trotz des sehr guten Schauspiels von Knightley und Canet oder dem wunderbaren Handwerk bietet Massy Tadjedin’s Regiedebüt Last Night vor allem in Bezug auf Geschichte, Glaubwürdigkeit und Schauspiel im Allgemeinen nichts, was man nicht schon besser in einem anderen Film gesehen hat. Denn es sind gerade die negativen Aspekte die den Film mehr oder weniger mit sich reißen.

5/10

Filminformationen:
Regisseur: Massy Tadjedin
Autor: Massy Tadjedin
Herstellungsland: USA, Frankreich
Genre: Drama, Romantik
Besetzung: Keira Knightley, Sam Worthington, Eva Mendes, Guillaume Canet
Starttermin DE: 30. Dezember 2010

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