The Hurt Locker (Rezension)

Nach 16 Monaten habe ich es endlich mal geschafft mir The Hurt Locker anzuschauen. Besonders skeptisch war ich ja auch deswegen, da er bei der letzten Oscar-Verleihung 6 der begehrten Trophäen abgeräumt hat. Aber nicht nur bei den Oscars hat er abgeräumt, denn auch bei anderen Preisverleihungen konnte er Preise einheimsen. Eine Übersicht dazu findet sich hier: Klick.

Der Film dreht sich um die Bravo-Kompanie der U.S. Army Explosives Ordnance Disposal Einheit während des Irakkrieges im Jahr 2004.
Nach einem tödlichen Einsatz wird Sergeant First Class William James zur Bravo-Kompanie beordert um Staff Sergeant Thompson zu ersetzen. Schon während dem ersten Einsatz unter James‘ Leitung wird Sergeant J.T. Sanborn und Specialist Owen Eldridge klar, dass James seine ganz eigene – zuweilen rücksichtslose – Art hat um mit solchen Situationen umzugehen. Und so versuchen sie Einsatz um Einsatz zu überleben.

Die Geschichte des Films ist mehr oder weniger episodisch aufgeteilt und gleicht eher einer Doku als einem Film. Hier war ich mir nach dem Schauen des Films lange nicht sicher wie ich diesen Umstand bewerten soll, mittlerweile aber bin ich der Meinung, dass genau dieser Umstand wunderbar zu dem Film passt.
Interessant ist auch, dass er insgesamt ein eher ruhiger Film ist, in dem es weniger darum geht Action in den Vordergrund zu stellen, sondern Spannung allein dadurch aufzubauen, in dem man einen über all die Jahre gänzlich unbeachteten Aspekt in den Fokus rückt und zwar das Entschärfen von Bomben. Auch wenn nicht viel passiert in dem Film und sich die Gefechte auf ein Minimum reduzieren, so erreicht er allein durch die Bombenentschärfungsszenen an Intensität. Auch die eigentliche Aussage des Films – die praktisch am Anfang schon vorweg genommen wird – ist zu jeder Zeit zu spüren und wird am Ende noch einmal kurz und prägnant auf den Punkt gebracht.
Positiv fällt weiterhin auf, dass er dabei angenehm unpolitisch ist, denn zu keiner Zeit bezieht er Stellung zu irgendeiner Seite oder glorifiziert das eigene Militär. Es geht wirklich nur um die Menschen und die möglichen Auswirkungen des Krieges auf sie. Natürlich, so etwas gab es schon oft (Apocalypse Now, Platoon u.ä.), aber nicht mit dieser Thematik und auf diese Art und Weise.

Allerdings kommt auch dieser Film nicht ohne Fehler aus, von denen viele nicht hätten sein müssen (anachronistische Fehler wie z.B. dass im Jahr 2004 Gears Of War auf der XBOX360 gespielt wird u.a.) oder Fehler die militärische Begebenheiten (Signalblockierer gegen fernzündbare Bomben, Uniformen etc.) betreffen. Hier muss man aber erwähnen, dass der Film ohne Unterstützung des U.S. Militärs bzw. von militärischen Beratern gedreht wurde, wodurch dieser Aspekt zu einem gewissen Teil aber verschmerzbar ist. Und vielen (auch mir) fällt dies auf Grund von Wissensmangel ohnehin nicht auf. Dennoch gibt es ein paar Sachen die selbst mir aufgefallen sind, so z.B. das Verlassen der Basis oder der Alleingang des Teams in der Green Zone.
Das alles mag einem negativ auffallen, sollte aber nichts an der eigentlichen Geschichte und ihrer Aussage ändern.

Eine gute Geschichte ist allerdings nichts ohne entsprechende Schauspieler und auch hier schafft es der Film zu überzeugen. Allen voran Jeremy Renner als William James. Seine Darstellung ist die wohl Beste im ganze Film und spielt die anderen ohne Probleme an die Wand, um es mal so auszudrücken. Aber ich will die anderen nicht schlechter machen als sie wirklich waren, denn auch Anthony Mackie oder Brian Geraghty – die beiden Kameraden von James – haben auch wirklich gute Arbeit neben Renner geleistet. Schade ist, dass Größen wie Guy Pearce oder Ralph Fiennes nur sehr wenig Spielzeit hatten. Verdient hätten sie durchaus mehr.
Der Rest der Schauspieler bewegt sich auf gutem/überdurchschnittlichem Niveau auch wenn es nur kleinere Nebendarsteller waren.

Besonders angetan hat es mir die technische Seite des Films, denn diese ist in meinen Augen wirklich sehr gut.
Ganz besonders aber ist es die – ich benutze jetzt mal den Fachausdruck dafür – Kinematografie, die es mir angetan hat. Hier haben Kathryn Bigelow und Barry Ackroyd ganze Arbeit geleistet um dem Film die Intensität zu verleihen, welche er schlussendlich auch bietet. Der Film wirkt trotz seiner sauberen und klaren Bilder (er wurde mit 4 Super 16mm Kameras gedreht) schmutzig, adrenalingetrieben und fesselnd. Auch das Editing ist erstaunlich gut genutzt wurden, so sind zum Beispiel einige Szenen in Zeitlupe gehalten wurden, wodurch deren Wirkung noch einmal gesteigert wurde.

Daneben bietet der Film aber auch sound- und musiktechnisch einiges, auch wenn gerade die Songs von Ministry mir nicht sonderlich zugesagt haben, so war der Film durchweg sehr gut vertont.

Abschließend bleibt zu sagen, dass The Hurt Locker mir persönlich sehr gut gefallen hat, was nicht zuletzt an der Geschichte (trotz seiner Fehler), den Schauspielern und der technischen Umsetzung liegt.
Aber ob die vielen Auszeichnung berechtigt waren? Nun, das ist eine Frage die ich nicht wirklich beantworten kann und auch nicht beantworten will.

8/10

Filminformationen:
Regisseur: Kathryn Bigelow
Autor: Mark Boal
Herstellungsland: USA
Genre: Drama, Krieg, Thriller
Besetzung: Jeremy Renner, Anthony Mackie, Brian Geraghty, Christian Camargo, Evangeline Lilly, Ralph Fiennes, David Morse, Guy Pearce
Starttermin DE: 13. August 2009

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