Sunshine (Rezension)

Ich breche diesmal ein wenig mit dem Standardlayout, denn eine S/W-Änderung hat der Ausschnitt aus Sunshine nicht verdient. Wie der Ausschnitt schon vermuten lässt, hat Sunshine optisch einiges zu bieten, dazu aber später mehr.

In Sunshine geht es um die Rettung der Menschheit, denn die Sonne „stirbt“ und somit auch alles Leben auf der Erde.
Die Icarus II ist auf dem Weg zur Sonne um diese mit einer Bombe wiederzubeleben. Als sie sich doch in der Nähe des Merkurs befinden, fangen sie ein Signal der Icarus I auf und müssen eine folgenschwere Entscheidung treffen.
Nachdem gescheiterten Versuch die Icarus I zu reaktivieren bemerken sie, dass sie nicht mehr alleine sind und das Schicksal der Menschheit steht auf dem Spiel.

Die Geschichte von Sunshine hat gleich mehrere Probleme:
Das Grundgerüst besteht aus einer typisch, generischen „Menschheitrettungsgeschichte im Weltall“, deren Ablauf recht zäh gestaltet ist und hier und da philosophische Ansätze bietet, welche im Endeffekt aber in ihre eigens kreierte Bedeutungslosigkeit abdriften.
Des Weiteren bleibt die Geschichte sich selbst nicht treu und wird gegen Ende mittels bedeutungsschwerem Twist auf eine höchst blödsinnige philosophisch und metaphysische Ebene gehieft, die man ugs. „unter Ulk verbuchen“ kann. Das schon allein durch den Part des Pinbackers und dessen Slashereinlagen sowie einfallslosen Dialoge a la „I’ve talked to God for seven years!“.
Boyle und Garland haben auch versucht möglichst viele Versatzstücke alter Klassiker aus dem SciFi-Genre einzubauen, was ihnen aber leider zu keiner Zeit gelingt. Denn anstatt diese entsprechend zu zitieren, wirkt vieles nur lieblos und man bekommt den Eindruck als ob sich die beiden hier nicht doch etwas überschätzt haben.
Aber auch bei den Charakteren bleibt der Film weitestgehend auf der Strecke, denn diese sind durchweg unsympatisch und man empfindet keinerlei Empathie mit ihnen, egal in was für einer Situation sie sich befinden. Das ist mit der größte Schwachpunkt eines Filmes.

So unsympathisch die Charaktere sind, so lieblos wurden sie auch gespielt, denn keiner der Darsteller versteht es seinem Charakter das gewisse Etwas zu verleihen. Vielmehr wird mit immer gleichen Gesichtsausdrücken Dialog für Dialog gesprochen.
Hier war ich vor allem von Cillian Murphy etwas enttäuscht, der in 28 Days Later und auch Batman Begins überzeugen konnte. Der Rest der Cast bzw. deren Leistung ist nicht wirklich nennenswert, bewegen sich doch alle auf dem gleichen unterdurchschnittlichen Niveau.

So dröge wie die Geschichte auch ist, audiovisuell ist Sunshine ein wirkliches Erlebnis.
Boyle und sein Team haben zumindest visuell einen großen Wurf mit Sunshine gelandet, denn die die Bildgewalt ist sehr gut. Bezeichnend sei hier die Szene erwähnt, in der man das erste Mal die Icarus II hinter dem riesigen Hitzeschild zu sehen bekommt. Aber nicht nur die animierten Sequenzen sind sehr gut, auch die Kameraarbeit „in“ der Icarus, sauber ausgearbeitete Szenen etc. tragen hier maßgeblich zu dem visuellen Ereignis bei.

Der Soundtrack von John Murphy und Underworld ist wirklich großartig, auch wenn er hauptsächlich aus synthetischen Versatzstücken besteht. Aber zu jeder Zeit bietet er das jeweils passende Ambiente und ordnet sich sehr gut den Geschenissen unter.

Sunshine ist mehr Schein als Sein, denn von der Geschichte her kann er keinesfalls überzeugen, dazu wirkt sie viel zu aufgesetzt und gekünstelt. Den Schein wahrt der Film allein durch das hervorragende audiovisuelle Erlebnis.

5,5/10

Filminformationen:
Regisseur: Danny Boyle
Autor: Alex Garland
Herstellungsland: UK
Genre: Science Fiction, Drama
Besetzung: Cillian Murphy, Chris Evans, Rose Byrne, Michelle Yeoh, Cliff Curtis, Troy Garity, Hiroyuki Sanada, Benedict Wong
Starttermin DE: 19. April 2007

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