TRON, TRON: Legacy (Rezensionen)

Bevor ich mir letzten Donnerstag TRON: Legacy angeschaut habe, bin ich nicht umhin gekommen, mir noch einmal TRON anzuschauen. Das letzte Mal habe ich ihn vor x Jahren gesehen, so dass die Erinnerungen an diesen Film doch stark gelitten haben.
Mit aufgeschriften Erinnerungen ging es am Abend des 27.01. dann auch gen Kino …

Auf die „Besonderheiten“ bezüglich des Innenlebens eines Computers – so wie es in den Filmen dargestellt wird – werde ich nicht näher eingehen, denn schon beim Gedanken mich mit dem Thema auseinander zu setzen stellen sich mir die Nackenhaare auf.

TRON

Die Geschichte um den geschassten Kevin Flynn der versucht zu beweisen, dass Dillinger ihm seine Arbeit gestohlen hat, das von Dillinger geschaffen Master Control Program welches alle Programme bei Encom unterjocht und Alan Bradley welcher mit seinem Program TRON versucht dem MCP entgegen zu treten ist gewagt, vor allem für eine Disney-Produktion.
Nicht selten verläuft sich die Geschichte dabei in Absurditäten und Belanglosigkeiten und wirkt dadurch teils lächerlich und vor allem oberflächlich-banal. Auch die dargestellte Cyberwelt ist zu keiner Zeit logisch.

Einzigartig für die damalige Zeit war jedoch die Technik die hinter dem Film stand; hier mal ein Auszug aus der Wikipedia dazu:

[…] Der Film enthält jedoch viel weniger computeranimierte Bilder als meist angenommen wird.(*) Der einzigartige visuelle Stil dieses 70-mm-Films wird vielmehr durch die Backlit Animation bestimmt, ein rein optisches Verfahren, mit dem die Live-Actionszenen, die im Inneren des Computers spielen, realisiert wurden. Dabei werden die Schauspieler und Teile der Szene zunächst in schwarz-weiß abgefilmt. Jedes einzelne Bild wird auf einen großformatigen Planfilm mit sehr hohem Kontrast vergrößert und anschließend mit weiteren Folienschichten überlagert, mit fotografischen Techniken bearbeitet, coloriert und retuschiert. Wie bei einem klassischen Animationsfilm wird auf diese Weise Bild für Bild zusammengesetzt und abfotografiert, wobei das Licht, wie der Name des Verfahrens andeutet, in diesem Fall auch von hinten durch das Bild strahlt, was die typischen Leuchteffekte des Films ermöglicht. Eine Vielzahl von bearbeiteten kontrastreichen und großformatigen Diapositiven und Negativen wurde für jedes einzelne Bild solcher Sequenzen benötigt […]

(*) Die Computeranimation wurden von der Firma Triple I, MAGI und anderen erstellt. Die Gesamtlauflänge jener Animationen belaufen sich auf ca. 15 – 20 Minuten bei einem 92 minütigem Film.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tron_(Film)
Zugegeben, das sieht in der heutigen technikverwöhnten Zeit nicht mehr sonderlich herausragend aus, aber für die damalige Zeit war das bedeutend und das sollte man beim Sehen des Films nicht vergessen.

Schauspielerisch bewegt sich der Film auf einem eher niedrigen Niveau, was teilweise sogar unfreiwillige Komik zu Tage fördert. Hier sei nur die Schleichkunst von Jeff Bridges erwähnt.

Die Score wurde von Wendy Carlos beigesteuert und unterstreicht den Film mit seinen Synthie- und Orchesterklängen sehr gut.

Trotz seiner Mängel gerade in Bezug auf Geschichte und Schauspieleri – die aber auch seinen Charme ausmachen, gehört TRON vor allem dank seiner technischen Extravaganz/Verspieltheit in jede Filmsammlung und ist nicht umsonst zu einem Klassiker/Kultfilm avanciert.

6,5/10

Filminformationen:
Regisseur: Steven Lisberger
Autoren: Steven Lisberger, Bonnie MacBird
Herstellungsland: USA
Genre: Action, Sci-Fi
Besetzung: Jeff Bridges, Bruce Boxleitner, David Warner, Cindy Morgan, Dan Shor
Starttermin DE: 09. Dezember 1982

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TRON: Legacy

Nach dem Konzept-Teaser, diversen Trailern und der Special Preview war ich wirklich sehr gespannt auf die Fortsetzung von TRON. Und trotz relativ moderater Erwartungshaltung (vor allem die Geschichte des Films war mir nicht sonderlich wichtig, mehr die Technik), wurde ich leider eines Besseren belehrt …

Die Geschichte von TRON: Legacy könnte einfältiger und langweiliger nicht sein; man bekommt eine 2-stündige Vater-Sohn-Wiedervereinigung ohne wirklichen Antrieb zu sehen. Interessante Elemente wurde nicht oder nur in einem Nebensatz aufgegriffen und behandelt und Storylücken müssen mit Spielen (TRON: Evolution) oder Comics (TRON: Betrayal) nachgeholt werden. Von den anderen inkohärenten Storyteilen ganz zu schweigen. Leider waren auch die Referenzen zum ersten Teil (bis auf die Gemeinsamkeiten des Universums/Franchises) eher dürftig und/oder einfach zu plump und dienten auch nur dazu die alten Fans zu füttern.
Aber so sehr ins Detail möchte ich nicht gehen, denn eine sehr gute und ausführliche Analyse der Geschichte gibt es bei den 5 Filmfreunden in ihrem Review zu TRON: Legacy: Klick. (Vorsicht Spoilergefahr!)
Kurzum, sonderlich viel habe ich von der Geschichte – wie eingangs schon geschrieben – nicht erwartet, aber das was einem geboten wurde, war einfach nur enttäuschend. Sowas kommt halt davon wenn man LOST-Autoren an das Script lässt.

War TRON zu seiner Zeit noch ein technisches Wunderwerk, so verkommt TRON: Legacy trotz seiner hervorragenden Optik mit der Zeit zu einem lieblosen 3D-Spektakel. Ich möchte hier garnicht das Design als solches kritisieren, das ist wie schon geschrieben hervorragend, aber es hat zu keiner Zeit die Wirkung die TRON damals hinterlassen hat. Es ist viel mehr der übermodernisierte Schick und der extrem angestiegene Detailreichtum, der hier ein wenig mit dem alten Design bricht. Ein paar vereinzelte Szenen/Abschnitte (Disc-Wars, Lightcylce-Rennen, …) stechen zwar positiv heraus, fallen insgesamt aber nicht sonderlich ins Gewicht. Es ist insgesamt alles zu kalt, zu lieblos und man gewöhnt sich viel zu schnell daran. Es fehlt einfach die enorme technische Innovation und Verspieltheit des Vorgängers.
Auch das im Film eingesetzte „3D“ ist nicht weiter erwähnenswert. Die stereoskopen Effekte sind zwar vorhanden, aber sind wirklich sehr dezent eingesetzt wurden; was man auch daran gemerkt hat, dass das Bild ohne Brille fast ähnlich aussah. Ein „3D-Blockbuster“ sollte schon mehr zu bieten haben. Was mir wieder einmal bewiesen hat, dass das alles nur belangloser Bockmist ist. Und mal ganz ehrlich, dieser 2D-3D-Wechsel, der als „Stilmittel“ deklariert wurde, war auch nichts weiter als Bauernfängerei.

Genauso belanglos wie die Technik war auch das Schauspiel. Jeff Bridges als „Zenmeister“ Flynn meditiert sich durch den Film – mit ein paar guten Onelinern, Garrett Hedlund wird mit dem Eintreten in The Grid zu einer unsympathischen Schlaftablette die nur reagiert anstatt agiert und so weiter. Ja selbst die Nebenfiguren sind durchweg belanglos, bis auf wenige Ausnahmen. Ein kleiner Lichtblick ist Michael Sheen als exzentrischer ZUSE, der hier und da ein wenig an den alten Bowie erinnert. Auch die Auftritte von Bruce Boxleitner sind zwar sehr kurz und für den Film selbst eigentlich unerheblich, gehören aber neben denen von Michael Sheen mit zu den besten im Film.
Der einzige, wirkliche Antrieb des Films war Olivia Wilde als Quorra. Ihre Figur ist stets bzw. größtenteils die antreibende Kraft hinter allem. Auch sehr klug so eine Aufgabe einer Nebenfigur zuzuschreiben.

Komplett überzeugt hat mich hingegen die Filmmusik die von dem Pariser Duo Daft Punk beigesteuert wurde. Die Vorbereitung sollen irgendetwas um die 2 Jahre gedauert haben, da sich die beiden zuerst in orchestrale Filmmusik einarbeiten mussten. Allerdings wurde der Soundtrack von den Remote Control Studios finalisiert und hinter jenem Studio steckt Hans Zimmer. Ich hab mich schon gefragt, warum ich da Ähnlichkeiten heraus höre.
Schlußendlich ist dabei aber ein sehr eigener und gelungener Mix aus dem typischen DP-Sound und orchestraler Filmmusik herausgekommen, welcher sich wirklich sehr schön an den Film anpasst.

Abschließend bleibt zu sagen, dass TRON: Legacy für mich ganz klar auf zwei Gebieten versagt; sowohl bei der Geschichte, als auch bei der Technik. Disney hat sich hier wahrlich keinen Gefallen getan und storytechnisch wirklich sehr viel Potential verschenkt. Ich habe vor allem die enorme Experimentierfreudigkeit des ersten Teils schmerzlich vermisst, die diesen erst zu dem gemacht hat was er heute ist.
Auch wenn Design und Sound wirklich großartig sind, so wird TRON: Legacy seinem Vermächtnis (haha!) absolut nicht getreu und bewegt sich höchstens in dessen Schatten. Schade.

PS: Wenn auch etwas platt und „biased“:
7 Gründe warum TRON: Legacy den Cyberspace rockt
7 Gründe warum TRON: Legacy nur als Hörspiel taugt

4,5/10

Filminformationen:
Regisseur: Joseph Kosinski
Autoren: Adam Horowitz, Edward Kitsis, Brian Klugman, Lee Sternthal
Herstellungsland: USA
Genre: Action, Sci-Fi
Besetzung: Garrett Hedlund, Jeff Bridges, Olivia Wilde, Bruce Boxleitner, Martin Sheen
Starttermin DE: 27. Januar 2011

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3 Antworten auf TRON, TRON: Legacy (Rezensionen)

  1. Pingback: Der *Welchen-Film-habt-ihr-als-letztes-gesehn-und-wie-fandet-ihr-ihn*Thread [Part 10] - Seite 33 - Forum de Luxx

  2. Von den Punkten her sehe ich die beide etwas besser (Teil 1: 7,5/10 – Teil 2: 6/10), meine Kritk- und Lobpunkte sind aber ganz ähnliche. Optik und Sound von „Legacy“ hätten auf jeden Fall eine bessere (oder zumindest nicht so überpräsent schlechte) Story verdient gehabt und dieses ganze Abwälzen ganzer Plotteile auf das erwähnte Game und den Comic finde ich grundsätzlich höchst ärgerlich. Da schmilzt die Vorfreude auf den kommenden dritten Teil…

    • mitcharts sagt:

      Wobei der erste Teaser („Flynn lives“) auf den möglichen dritten Film schon sehr gut aussieht und vor allem wesentlich mehr Story als T:L bietet.

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