Kurzrezension FFFN: Love, Livide, We Need To Talk About Kevin, Chronicle

Es war wieder einmal Mitte März, somit war es wieder Zeit für die Fantasy Filmfest Nights. Für die letzten FFFN hatte ich noch eine Dauerkarte, aber dieses Jahr gab es auf Grund der doch recht uninteressanten Filmauswahl nur ein paar ausgewählte Filme – da schon lange vorgemerkt.


LOVE

Der Film folgt dem Astronauten Lee Miller, welcher sich um die Instandhaltung einer Ein-Mann-Raumstation im Orbit der Erde kümmert. Eines Tages bricht plötzlich die Verbindung zum Kontrollzentrum ab, keiner reagiert auf Lees immer verzweifelter werdende Hilferufe. Nach jahrelanger und kompletter Isolation von der Welt wird er zusehends von Halluzinationen und Visionen geplagt. Die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn drohen komplett zu zerfallen, als Lee zufällig ein jahrhundertealtes Tagebuch aus der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs findet und eine verblüffende Entdeckung macht. [1]

Problematisch an dem Film ist, dass er in die Fußstapfen ähnlicher Filme treten will und sich auch zahlreicher Zitate bedient, er es aber dennoch nicht schafft, seine Geschichte entsprechend zu präsentieren und zu erzählen. Die Aussage des Films wird dem geneigten Zuschauer gegen Ende zwar durchaus bewusst – der Filmtitel ist schonmal ein guter Anhaltspunkt -, aber bis dahin ist er verwirrend und verliert sich zu sehr in seinen philosophischen und metaphysischen Ebenen.
Hinzu kommt auch noch, dass der Film – bis auf die wenigen Bürgerkriegsszenen – eine reine Ein-Mann-Show ist und diese den Film nicht wirklich tragen kann, obwohl gut dargestellt.

Wirklich überzeugt hat mich allein der Soundtrack (Angels And Airwaves) und – mit kleinen Abstrichen – die Inszenierung des Films (die Zeitlupenaufnahmen waren unglaublich).

LOVE war ein durch Angels And Airwaves groß angepriesene Sci-Fi-Projekt, aber letztendlich hat es mich vor allem auf Grund seiner Erzählweise und Verwirrtheit doch enttäuscht.

5/10

LIVIDE

LIVIDE war jetzt nicht unbedingt ein Film, den ich mir unbedingt anschauen wollte, aber es passte zeitlich ganz gut, die Prämisse des Films und das Regisseurduo Alexandre Bustillo und Julien Maury (À l’intérieur) klangen ebenso recht interessant.

Zur Handlung des Films: „An ihrem ersten Tag als Betreuerin besucht Lucy die im Koma liegende Mrs. Jessel in ihren großen, einsamen Haus. Durch Zufall findet sie heraus, dass deise früher einmal eine angesehene Tanzlehrerin war, und dass sie irgendwo in ihrem Haus einen Schatz versteckt haben soll. Lucy und ihre Freunde William und Ben beschließen, auf Schatzsuche zu gehen, und steigen nachts in das unheimliche Haus ein. Dort wird ihre Schatzsuche dann zu einer Begegnung mit übernatürlichen Ereignissen, die das Leben der drei für immer verändern wird.“ [2]

Der Film fängt wirklich sehr gut an und baut mit seiner Inszenierung – trotz „Wackelkamera hier und da“ – und seinen Versatzstücken klassischer Horrorgeschichten auch eine sehr schöne Atmosphäre auf, die ab einem gewissen Zeitpunk leider vollends entgleist und sich in zu viel übernatürlichem Wirrwarr verliert. Gerade das Ende ist hierfür bezeichnend.
Bustillo und Maury haben zwar erwähnt, dass sie Argento’s SUSPIRIA als Inspiration hergenommen haben, aber wirklich viel daraus haben sie nicht gemacht. Auch konnten sie es nicht lassen ihren Hang zu gorelastigen Szenen zu unterdrücken, da der doch eher ruhige Film von einigen wenigen Szenen dieser Art unterbrochen wird.

Trotz recht passabler schauspielerischer Leistung, einem angenehmen Score und einer akzeptablen Inszenierung konnte der Film mich leider nicht überzeugen, dazu war das stilistische Experiment des Regisseurduos zu wackelig.

4/10

WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN

Wenn Kinder in späten Jahren auf die schiefe Bahn gelangen, dann fragt man sich als Elternteil, was man während der Erziehung seiner Schößlinge falsch gemacht. Genau diese Frage ist der Dreh- und Angelpunkt von WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN (nachfolgend nur WNTTAK). Dabei wird die Geschichte der durch Kevin’s Tat gebrandmarkten Eva erzählt und zeigt in Erinnerungen, was alles passiert ist.

So gut ich die Erzählweise der Geschichte (man kann es gut mit „Drama mit Thrillerelementen“ beschreiben) und die Geschichte in Teilen selbst auch fand, so sehr hab ich mich über einen ganz bestimmten Punkt geärgert: Eva’s Unfähigkeit auch nur ein µ an Liebe und Empathie für ihren Sohn Kevin zu empfinden. Wenn Kinder über Jahre mit einer derarten Gleichgültigkeit und einem derarten Desinteresse behandelt, ist es kein Wunder, wenn sie garstig und böse dem Elternteil gegenüber werden. Ihre Erleuchtung kommt dann leider auch etwas zu spät.

Getragen wird der Film hauptsächlich durch die grandiose Tilda Swinton und (dem mir bis dato unbekannten) Ezra Miller. Die restlichen Schauspieler sind nur (gutes) schmückendes Beiwerk, was ich vor allem bei John C. Reilly sehr schade fand.

Auch positiv, obwohl nicht immer überzeugend, ist die Inszenierung des Films. So gut wie alle Bereiche wurden auf ein Minimum reduziert, um Geschichte und Schauspieler wirken zu lassen, was zum Großteil auch stets gelingt.

In der Summe war er ganz gut, kommt für mich aber nicht an die vorausgegangenen (positiven) Festivalkritiken heran.

7/10

CHRONICLE

Ein Außenseiter (inkl. trinkendem Vater), sein Cousin und der beliebteste Schüler der Schule, bekommen nach dem Kontakt mit einem extraterrestrischen Gestein telekinetische Fähigkeiten und die Probleme nehmen ihren Lauf. [4] Diese Prämisse ist der Grundstein von CHRONICLE und leider kein wirklicher Pluspunkt für das Indie-Regiedebut, da es zu sehr den typischen Konventionen hollywood’scher Geschichtserzählung folgt.

Inszeniert wird das Ganze im Found-Footage-Stil, welchem ich generell eher negativ gegenüberstehe, und hat damit auch so seine Probleme. Hauptsächlich wird aus der Perspektive von Andrew erzählt, bei welchem sich in Bezug auf den FF-Stil im Verlaufe des Filmes sehr viel zum positiven ändert, da er zurest von SD auf HD wechselt und als bald – auf Grund seiner Fähigkeiten – die Kamera nicht mehr in den Händen hält und somit ein paar wirklich gute Aufnahmen zustande kommen. Sobald aber die Erzählperspektive gewechselt wird, wird wieder unweigerlich auf den verwackelten und uninspirierenden FF-Stil gewechselt. Oder man greift auf andere Arten der Videoaufnahme zurück, wenn keiner der Protagonisten eine Kamera dabei hat. Durch diesen Perspektiven- und Stilwechsel, geht wie so oft Atmosphäre verloren. Gerade bei Actionsequenzen (vor allem zum Ende hin), hätte man auf einen herkömmlichen Inszenierungstil zurückgreifen sollen.

Loben muss man aber sowohl die Schauspieler, die eine wirklich gute Arbeit geleistet haben, als auch Sound/Musik und Effekte.

Wie LOVE und WNTTAK, war auch CHRONICLE einer meiner Favoriten der FFFN, aber leider weiß er auf Grund seiner typischen Schema-F-Außenseitergeschichte und dem nicht immer gelungenen Found-Footage-Stil nicht gänzlich zu überzeugen und ist dadurch letztlich nur ein ordentliches Regiedebut.

6,5/10

[1] http://www.moviepilot.de/movies/love–2
[2] http://www.moviepilot.de/movies/livid
[3] http://www.moviepilot.de/movies/we-need-to-talk-about-kevin
[4] http://www.moviepilot.de/movies/chronicle-wozu-bist-du-faehig

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