PROMETHEUS

Etwas über 30 Jahre hat es gedauert, bis Ridley Scott wieder in das Genre zurückkehrt, welches er mit ALIEN und BLADE RUNNER mehr als nur bereichert hat.
Der Jubel und die Freude waren groß, als Scott PROMETHEUS ankündigte und noch größer sind die Erwartungen – auch und vor allem wegen dem Marketing – von Fans aller Couleur an diesen Film, denn viele Fragen sich, ob Scott es mit PROMETHEUS erneut schafft, an die Erfolge von ALIEN und BLADE RUNNER anzuknüpfen. Zu wünschen wäre es ihm jedenfalls, denn das Sci-Fi-Genre benötigt nach „Filmen“ wie BATTLESHIP et cetera dringend eine Erfrischungskur.

„Im Auftrag von Weyland Industries, vertreten durch Meredith Vickers, macht sich eine Forschergruppe und der Androide David auf eine Reise nach den Ursprüngen menschlichen Lebens.
Angeführt wird die Gruppe von den Forschern Elizabeth Shaw und Charlie Holloway, die davon überzeugt sind, dass die mysteriösen Zeichen, die sie weltweit entdeckt haben, sie zu wertvollen Antworten über den Beginn der Menschheit führen.
Die zweijährige Expedition führt die Passagiere der „Prometheus“ schließlich zu den dunkelsten Ecken des Universums, wo sie Schlimmes erwartet.“ [1]
Das schreibt zumindest FOX auf ihrer Seite und ist auch nur eine ganz grobe Beschreibung des Films. Allerdings ist es möglich sich an Hand des Filmtitels auszumalen, welche Richtung der Film einschlagen wird und auch die Eingangssequenz ist mehr als nur ein Hinweis. Überdies ist der Film gespickt mit Anleihen aus Mythologie, Religion und Prä-Astronautik (die in meinen Augen teilweise zu sehr romantisiert wird) und hat einen – für mich nicht ganz nachvollziehbaren – Hang zur Religiosität, als Stichwort sei hier Dr. Shaw genannt.
PROMETHEUS ist ganz eindeutig Scotts ganz eigene Herangehensweise an die Frage nach der Schöpfung der Menschheit und stellt in Bezug darauf allerlei Fragen, die allerdings nur sehr oberflächlich behandelt werden und daran ist u.a. auch das Skript – welches eingangs von Jon Spaihts (THE DARKEST HOUR) geschrieben und später von Damon Lindelof (LOST) überarbeitet wurde – schuld. Der Film verliert sich auf erzählerischer Ebene viel zu oft in Unzulänglichkeiten und Fehlern (Google „prometheus plot holes“), ohne auch nur näher auf seine eigene Bildsprache einzugehen, welche in Bezug auf das Thema des Films mehr als nur loses Beiwerk ist und – mit der richtigen Einbindung/Transportation – mehr zu einem besseren Verständnis der Thematik beigetragen hätte. Diskussionen/Theorien/etc. wurden aber allemal angeregt, wie zum Beispiel diese hier: What is Going On in ‚Prometheus‘?.
Interessant gelöst wurden auch die Parallelen zur ALIEN-Trilogie, die einerseits mehr als eindeutig, aber andererseits dem Film dennoch eine gewisse Eigenständigkeit gewähren.

Nicht ganz so schwach wie das Skript ist der Cast von PROMETHEUS, mit einer großen Ausnahme. Die Rollen wurden zwar durchweg gut (im Sinne von „gute Schauspieler“) besetzt, aber kaum eine der Figuren schafft es auch nur annähernd dem Zuschauer den Horror des Films spüren zu lassen, da es einerseits zu viele Figuren gibt, von denen einige einfach unwichtig und uninteressant sind (Janek u.a.) und andererseits sie trotz guter Leistungen einfach am Skript scheitern. So kommt es, dass zum Beispiel selbst Noomi Rapace in Anbetracht dessen während ihrer eindringlichsten Szene (im Med-Pod) dem Zuschauer mehr als nur egal ist.
Aber es gibt ja noch die eingangs erwähnte Ausnahme und das ist eindeutig Michael Fassbender in der Rolle des David. Er spielt den Androiden mit einer derart hervorragenden Leistung, dass der Eindruck erweckt wird, er wäre wirklich ein Androide. Nur leider ist das der einzige Lichtblick gewesen.

Handwerklich ist der Film etwas über dem Durchschnitt, was aber nicht an der beeindruckenden visuellen Arbeit (Kamera, Set Design, Effekte, etc.) liegt, sondern an dem eher schwachen Score von Marc Streitenfeld, welcher im Film selbst kaum wahrgenommen wird und wenn, dann nur mit dem immer gleichen Thema. Für sich genommen, klingt er wesentlich differenzierter und bedrohlicher. Schade.

Um die Brücke zum Anfang zu schlagen; nein, PROMETHEUS schafft es nicht, den Erwartungen gerecht zu werden und das Sci-Fi-Genre im Jahr 2012 auch nur auf irgendeine Weise zu bereichern kann sich aber dennoch ein wenig von anderen Filmen aus diesem abheben. Zu einem Großteil verantwortlich ist dafür das äußerst schwache Skript, welches nicht annähernd ausgereizt wird und trotz aller – mit Abstrichen – handwerklicher Raffinesse kaum Atmosphäre schafft und den Zuschauer eher irritiert und gleichgültig im Kino zurück lässt. Damit bleibt mir nur noch eines und zwar mit dem wohl markantesten und auch am meist bezeichnenden Zitat des ganzen Films diese Rezension abzuschließen:
„We were wrong. We were so wrong.“ – Dr. Elizabeth Shaw

5/10

Filminformationen:
Regisseur: Ridley Scott
Autoren: Jon Spaihts, Damon Lindelof
Herstellungsland: USA
Genre: Science Fiction
Besetzung: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Logan Marshall-Green, Charlize Theron, Idris Elba, Guy Pearce
Starttermin DE: 09.08.2012

Quellen:
[1] http://www.fox.de/cinema/prometheus/12969/

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